Im Sommer zieht es inzwischen immer mehr Basketballer*innen hinaus auf die Freiplätze, um 3x3 zu spielen. Seit dem Olympiasieg der Frauen 2024 nimmt diese Disziplin zunehmend Fahrt auf. Auch in Baden-Württemberg fand zwischen Mai und Juli zum zweiten Mal die 3x3-Sommerliga statt – dieses Mal bereits in sieben Kategorien, von der U12 bis zu den Erwachsenen.
In dieser Spielform ist auch das Bruchsaler Eigengewächs Rika Windgasse mit vollem Elan dabei. Als U12-Spielerin nahm sie im Sommer 2021 erstmals an einem 3x3-Turnier teil. Gerade in der Zeit nach Corona setzte die TSG Bruchsal stark auf dieses Turnierformat und bot zahlreiche Turniere an. Ihre damalige Mannschaft profitierte sehr davon und konnte sich so in der Jugendregionalliga etablieren. Dadurch nahm auch der neue 3x3-Landestrainer Jake Peidis Kontakt nach Bruchsal auf. Man tauschte sich aus und die Bruchsaler Turniere wurden begutachtet.
Im Januar 2024 kam dann eine WhatsApp-Nachricht des Landestrainers an den Bruchsaler Organisator Detlef Windgasse: „Sag mal, ist Rika deine Tochter? Ich würde sie gerne mal zum 3x3-Landeskader einladen.“
Tatsächlich war sie bei einem Spiel in Stuttgart im Herbst zuvor aufgefallen – niemand hatte bemerkt, dass er zugeschaut hatte. Rika durfte als jüngerer Jahrgang teilnehmen, ließ keinen Termin aus und durfte im September 2024 sogar zur Bundessichtung, dem 3x3-Weekend in Bad Hersfeld, mitfahren. Im darauffolgenden Jahr war sie wieder im Kader dabei. Beim Weekend 2025 wurde sie für den Nationalkader U17 gesichtet.
Leider fehlt in diesem Format der Zielwettkampf, wie etwa eine Europameisterschaft. So gab es nur einen Lehrgang und eine Fahrt nach Frankreich zu einem Turnier sowie eine Wildcard des U17-Nationalteams für die deutsche Frauenmeisterschaft 2026 in Hannover. Dort musste ordentlich Lehrgeld gezahlt werden, doch das tat dem Spaß am Spiel keinen Abbruch.
Rika verbrachte die meisten Wochenenden zwischen Mai und August auf den 3x3-Plätzen Deutschlands. Durch die Lehrgänge und Turniere kannte man sich in der kleinen, aber feinen 3x3-Blase, und so kam es auch zu spontanen Teambildungen. Letztendlich halfen sich die Mädchen gegenseitig aus, um die Qualifikation für die deutsche U18-Meisterschaft am 29./30. August in Bad Vilbel zu schaffen. So kamen insgesamt zwölf Turniere zustande, unter anderem in Stuttgart, Aschaffenburg, Hannover und Leipzig.
Mit dem Team aus Leipzig, Habibi Heat, trat Rika in Bad Vilbel an. In diesem Jahr waren 16 Teams am Start. Die drei Vorrundengegner aus Niedersachsen, Bayern und Hessen wurden recht deutlich geschlagen. Im Viertelfinale gegen den Sieger der U17-3x3-Sommerliga des BBW, den MTV Stuttgart, musste sich das Team schon deutlich mehr bemühen. Erst im Schlussabschnitt konnte man sich gegen die quirligen und aggressiven Stuttgarterinnen mit 16:7 doch noch deutlich durchsetzen. Gleichzeitig muss man sagen, dass Habibi Heat in diesem Spiel eher am unteren Rand der eigenen Möglichkeiten spielte, zu viele Fehler machte und versuchte, diese durch Einzelaktionen auszugleichen.
Im Halbfinale traf das Team dann auf die hessische Mannschaft Busy. Diese Begegnung hatte für Rika eine besondere Bedeutung, denn bereits im Vorjahr war sie diesem Team bei den Finals in Dresden mit ihrem Team vom RegioTeam Stuttgart im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft begegnet. Die starken und sehr giftig spielenden Hessinnen konnten damals ein wenig überraschend geschlagen werden, und das RegioTeam sicherte sich vor einem Jahr die deutsche Vizemeisterschaft der U18-Mädchen.
Dieses Jahr wirkte Busy noch stärker, abgezockter und treffsicherer. Irgendwie fand Habibi Heat wieder nicht richtig ins Spiel. Zu früh wurden die Abschlüsse gesucht und zu sehr auf Zweipunktwürfe gesetzt. Keine Mannschaft konnte sich entscheidend absetzen. Habibi Heat hatte leichte körperliche Vorteile, während Busy bis zum Letzten kämpfte. In der Sekunde vor dem Abpfiff führte Habibi Heat mit 16:15, und Busy hatte den Ausgleich auf der Hand – der Ball rollte über den Ring und fiel heraus. Der Jubel war riesig: Man stand im Finale!
Dort wartete mit Twentyone die erste Garnitur des MTV Stuttgart – das Team, das aufgrund seiner Physis und der bisherigen Ergebnisse als stärkstes Team eingeschätzt werden konnte. Leicht war Twentyone durch alle Spiele gekommen, hatte nie weniger als 17 Punkte erzielt und die Endrunde bislang mit zwei 21er-Siegen gemeistert. Insbesondere Diana Ivancic stellte ein großes Problem dar: Mit 184 cm Körpergröße ist sie unter dem Korb ein Powerhouse, kann aber genauso gut den Zweipunktewurf einnetzen. Das Spiel begann sehr intensiv und physisch. Habibi Heat spielte einen Basketball, den das Team an diesem Tag noch nicht gezeigt hatte. Die Spielerinnen waren hellwach, die Wurfauswahl und die Rotation ohne Ball deutlich verbessert. Die Verteidigung war sehr aggressiv, und selbst Rika – die schmächtigste Spielerin im Team – bereitete Ivancic große Schwierigkeiten, ihr Können auszuspielen. So nahm Habibi Heat das Spiel von Beginn an in die Hand, kämpfte unablässig und wollte den Sieg am Ende einfach ein bisschen mehr. Verdient wurde das Spiel mit 15:11 gewonnen. Der Jubel war grenzenlos:
DEUTSCHER MEISTER im 3x3 der U18-Mädchen 2026!
Herzlichen Glückwunsch an Rosina Ortelli (Nördlingen), Stella Reinike (Recklinghausen), Linda Rosiwal (Bamberg) und Rika Windgasse (Bruchsal)!
Rika hat in den vergangenen drei Spielzeiten in der Oberligamannschaft der TSG Bruchsal gespielt. In der vergangenen Saison war sie die Topscorerin des Teams, verdoppelte ihren Punkteschnitt im Vergleich zum Vorjahr und war damit ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Meisterschaft.
Bereits in der vergangenen Saison spielte sie außerdem beim RegioTeam Stuttgart in der WNBL. Um das damit verbundene Trainingspensum künftig auch neben der Schule bewältigen zu können, wechselt sie nun komplett den Verein und wird zudem das Sportinternat in Ludwigsburg besuchen.
Die Mannschaft wird sie schmerzlich vermissen, doch für Rika ist dies der nächste logische und zugleich machbare Schritt. Die Mitspielerinnen und die TSG Bruchsal wünschen ihr dabei viel Erfolg und alles Gute!


Bei den Turnieren traf man auch durchaus mal Celebritäten aus dem Basketball. Hier ließ sich Rika mit einem der besten deutschen 3x3-Spieler, Leon Fertig, ablichten.
Auch Dennis Schröder schaute bei einem Turnier zu.




